Mauke, auch Fesselekzem genannt, ist eine entzündliche Hauterkrankung der Fesselbeuge. Typisch sind Rötung, Schwellung, nässende Areale und Krusten. Häufig beginnen die Veränderungen klein und werden ohne passende Pflege größer. Mauke kann ein Bein betreffen oder beidseitig auftreten, meist hinten etwas häufiger als vorn. Unpigmentierte Haut und ausgeprägter Fesselbehang erhöhen das Risiko.
Ursachen und Risikofaktoren
Mauke ist fast immer multifaktoriell. Meist kommen mehrere Auslöser zusammen: Feuchtigkeit, Schmutz, mechanische Reizung, Keime oder Parasiten und eine geschwächte Hautbarriere. Auch Fütterung und Stoffwechsel spielen mit.
Feuchte und Stallhygiene
Dauerhafte Nässe weicht die Haut auf. In matschigen Paddocks, nassen Einstreu-Bereichen oder bei hoher Stallfeuchte entstehen kleinste Risse, in die Keime eindringen. Sandiges Gelände kann zusätzlich scheuern. Gerade in der feuchten, kalten Jahreszeit haben Erreger leichtes Spiel, wenn die Beine regelmäßig nass und schmutzig bleiben.
Pflegefehler und geschwächte Hautbarriere
Zu wenig oder zu viel Pflege kann die natürliche Schutzschicht stören. Häufiges Waschen mit scharfen Reinigern, grobe Bürsten, scheuernde Gamaschen oder ständig feuchte Haare im Fesselbereich reizen die Haut. Eine intakte Hautbarriere ist der beste Schutz; eine überpflegte oder strapazierte Haut reißt schneller ein.
Parasiten und Keime
In aufgeweichten Arealen vermehren sich Bakterien leicht. Nicht selten handelt es sich um Mischinfektionen, bei denen auch Pilze oder Milben beteiligt sind. Bei starkem Fesselbehang entsteht ein feucht-warmes Mikroklima, das Milbenbefall und Keimwachstum begünstigt.
Fütterung, Stoffwechsel und genetische Faktoren
Unausgewogene Rationen, Mängel an Spurenelementen oder sehr zucker- und stärkereiches Futter belasten den Hautstoffwechsel. Vorerkrankungen, Stress oder Alter schwächen die Abwehr. Unpigmentierte Haut und bestimmte Rassen mit viel Behang reagieren empfindlicher.
Symptome rechtzeitig erkennen
Milde Verläufe zeigen zunächst Rötung, kleine Risse, Schuppen und punktuelle Krusten. Später treten nässende Stellen, dicke Krusten, Schmerzhaftigkeit und Lahmheit hinzu. In schweren Fällen kann das gesamte Bein anschwellen, es entsteht Wärme und Druckschmerz bis hin zur Phlegmone. Warzenartige, derbe Hautverdickungen sprechen für einen chronischen Verlauf.
Maukebehandlung Schritt für Schritt
Je früher Sie handeln, desto schneller entspannt sich die Lage. Diese Reihenfolge hat sich bewährt und lässt sich in den meisten Ställen gut umsetzen.
Ins Trockene bringen
Während der aktiven Maukebehandlung sollte Ihr Pferd möglichst trocken und sauber stehen. Reduzieren Sie Matschkontakte, richten Sie eine trockene Liegefläche ein und überlegen Sie, Weidezeiten bei nassem Wetter vorübergehend anzupassen. Trockenheit ist die halbe Therapie.
Fesselbehang moderat kürzen
Kürzen Sie langen Behang vorsichtig mit der Schere, ohne die Haut zu scheren. So kommt Luft an die Fesselbeuge, Feuchtigkeit trocknet schneller, und Sie sehen die Haut besser. Komplettes Abrasieren reizt die Haut und ist meist nicht nötig. Hilfreich ist hier die einfach zu handhabende Fesselschere von Kerbl.Sanft reinigen
Waschen Sie die betroffenen Areale behutsam mit lauwarmem Wasser und einer milden, rückfettenden Waschsubstanz. Krusten lassen sich durch warm-feuchte Kompressen lösen. Was sich nicht leicht löst, bleibt vorerst dran. Aggressives Rubbeln, harte Bürsten oder flächige, scharfe Desinfektion verschlechtern die Hautlage.
Als milde Reinigungsoption hat sich die speziell für Mauke entwickelte Naturseife bewährt: JOVEG Pferdeseife „Maukzem“. Sie reinigt schonend und unterstützt die Barriere, ohne die Haut auszutrocknen. Für Waschbäder gibt es zudem das JOVEG Seifenbad „Maukzem“, mit dem Sie eine pflegende Lauge ansetzen können.
Gründlich trocknen
Nach jeder Reinigung trocken tupfen, idealerweise mit frischen, fusselfreien Handtüchern. Ein Föhn auf niedriger Stufe aus ausreichender Distanz kann helfen, Restfeuchte zu entfernen. Feuchte Wärme und Reibung sind zu vermeiden.
Geeignete Salben bewusst auswählen
Auf sauberer, trockener Haut tragen Sie eine geeignete, nicht zu okklusive Salbe dünn auf. Zinkhaltige Präparate wirken austrocknend und können die Regeneration unterstützen. In schwereren Fällen entscheidet die Tierarztpraxis über antibiotische, entzündungshemmende oder antiparasitäre Präparate. Sehr fettreiche Cremes, die wie ein Film abdichten, sind häufig kontraproduktiv, weil sich darunter Schmutz und Keime sammeln können. Weniger ist mehr, und die Auswahl erfolgt am besten in Rücksprache mit der Praxis.
Schutz und Verband nach Bedarf
Ein lockerer Schutzverband hält die Fläche sauber, darf aber weder scheuern noch die Luftzirkulation verhindern. Wechseln Sie den Verband täglich. Besonders praktisch im Offenstall oder bei matschigem Paddock: die Buckenthal’s Maukeschutzbandage. Sie deckt Fesselbeuge und Kronrand ab und fördert ein trockenes Milieu ohne Hitzestau – hilfreich sowohl in der Akutphase als auch vorbeugend bei nasser Witterung.
Dranbleiben und konsequent umsetzen
Mauke heilt selten über Nacht. Behandeln Sie konsequent, je nach Schwere täglich bis zweimal täglich, bis die Haut glatt ist und der Behang nachwächst. Brechen Sie nicht zu früh ab. Planen Sie einige Wochen ein und passen Sie den Alltag so an, dass Nässe, Schmutz und Reibung die Heilung nicht ständig zurückwerfen.
So unterstützt die Tierarztpraxis – einfach erklärt
Viele Fragen klären sich, wenn klar ist, was die Tierärztin oder der Tierarzt eigentlich macht. Ziel ist immer, Ursache und Auslöser so genau zu treffen, dass die Therapie wirklich passt.
Gespräch und Untersuchung
Zunächst folgt ein ruhiges Gespräch: Wie lange bestehen die Probleme, wann werden sie schlimmer, wurden neue Futter oder Pflegeprodukte eingeführt, gibt es Milbenverdacht, stand das Pferd im Matsch, trägt es Gamaschen, wie ist die Einstreu? Anschließend wird Ihr Pferd gründlich untersucht, die Fesselbeuge begutachtet und das Bein abgetastet. So entscheidet die Praxis, wie dringend gehandelt werden muss und welche Schritte logisch sind.
Abstrich, Haut- oder Kotprobe
Bei unklaren oder schweren Verläufen nimmt die Praxis häufig einen Abstrich von der Haut oder eine kleine Probe unter betäubender Salbe, um Erreger zu identifizieren. Bei Milbenverdacht kann eine Hautprobe oder ein Oberflächenabstrich Aufschluss geben. Wenn der Verdacht auf begleitende Darmprobleme besteht, ist eine Kotprobe sinnvoll, vor allem wenn gleichzeitig Durchfälle auftreten oder das Immunsystem geschwächt wirkt.
Parasitencheck und gezielte Behandlung
Bestätigen sich Milben oder Pilze, wird gezielt behandelt. Das kann Einreibungen, Waschlotionen oder systemische Präparate umfassen. Wichtig ist, parallel Putzzeug, Gamaschen und Decken zu reinigen oder zu desinfizieren, damit der Kreislauf durchbrochen wird.
Blutwerte und bildgebende Verfahren nur bei Bedarf
Blutuntersuchungen, Ultraschall oder Röntgen sind für Mauke nicht standardmäßig nötig. Sie kommen zum Einsatz, wenn das Bein stark geschwollen ist, Schmerzen bestehen, die Entzündung immer wiederkehrt oder der Verdacht auf andere Ursachen besteht. Blutwerte helfen außerdem, den Stoffwechselstatus und mögliche Mängel abzuklären.
Therapie in der Praxis
Die Praxis stimmt mit Ihnen die geeignete Kombination aus Reinigung, Trocknung, lokalen Präparaten, antiparasitärer Therapie und, wenn nötig, Schmerz- und Entzündungsmanagement ab. In sehr schweren Fällen mit starker Schwellung und Fieber steht zunächst die Stabilisierung im Vordergrund.
Häufige Fehler bei der Maukebehandlung
Wer Mauke unterschätzt, verliert Zeit. Warten Sie nicht ab, bis aus einem kleinen Spot eine große Wunde geworden ist. Ein zweiter häufiger Fehler ist Überpflege: zu häufiges Waschen, schrubben, brennende Mittel oder großflächige Desinfektion. Das schwächt die Hautbarriere. Auch sehr fettreiche, dicke Salben mit Filmwirkung können die Situation verschlechtern, weil sich darunter Schmutz sammelt. Beenden Sie die Behandlung nicht beim ersten Aufatmen, sondern erst, wenn die Haut wirklich glatt ist. Und ganz wichtig: Ursachen konsequent abstellen. Wenn der Paddock matschig bleibt oder Milben unbehandelt bleiben, flammt die Mauke wieder auf.
Ganzheitlich denken: Fütterung, Immunsystem und Umfeld
Mauke betrifft nicht nur die Fesselbeuge, sondern oft das gesamte Pferd. Ein ganzheitlicher Blick stabilisiert die Haut nachhaltig.
Fütterung optimieren
Eine ausgewogene Ration mit bedarfsgerechtem Mineralfutter ist die Basis für stabile Haut. Achten Sie auf Spurenelemente wie Zink und Mangan sowie Vitamine, die die Hautregeneration unterstützen. Reduzieren Sie übermäßig zucker- und stärkereiche Komponenten und prüfen Sie bei sehr eiweißreichem Raufutter, ob eine Anpassung sinnvoll ist. Omega-Fettsäuren können die Hautbarriere unterstützen. Ergänzungen sollten gezielt und nicht pauschal erfolgen, idealerweise nach Fütterungscheck oder Blutbild.
Stoffwechsel und Darm im Blick
Langwierige Hautprobleme haben nicht selten einen Mitspieler im Hintergrund: Darmflora, Leberentlastung, Stressmanagement. Probiotische Kuren, Leberunterstützung oder eine zeitweise Futterumstellung können Bausteine sein, wenn die Praxis dies empfiehlt. Bewegung an frischer Luft, ausreichende Regenerationszeiten und ein stressarmer Alltag helfen dem Immunsystem.
Allergien und Umgebung anpassen
Manche Pferde reagieren auf Einstreu, Staub, Feinstpartikel oder bestimmte Pflanzen auf der Weide empfindlich. Prüfen Sie das Umfeld kritisch: staubarme Einstreu, sauberer, trockener Liegeplatz, drainierte Wasserlöcher am Weidetor. Kleine bauliche Maßnahmen verhindern, dass die Fesselbeugen täglich im Feucht-Schmutz stehen.
Hausmittel mit Bedacht
Sanfte, nicht reizende Zusätze wie lauwarme Kräutersude zum Spülen können die Reinigung unterstützen, ersetzen aber keine gezielte Therapie. Finger weg von brennenden, stark alkoholhaltigen oder ätherischen Ölen in hoher Konzentration auf wunden Flächen. Wenn ein Mittel sichtbar reizt, absetzen und die Praxis einbeziehen.
Pflege und Vorbeugung
Je konsequenter die Pflege im Alltag, desto seltener kommt Mauke wieder.
Stallhygiene und trockene Haltungsbedingungen
Misten Sie täglich, entfernen Sie nasse Stellen gründlich und sorgen Sie für trockene, saubere Paddockbereiche. Befestigte Laufwege, Gummimatten in Problemzonen oder temporäre Abtrennungen in Matschlöchern reduzieren Dauerfeuchte.
Beine sinnvoll reinigen und trocknen
Nach Matschkontakt Schmutz antrocknen lassen und sanft ausbürsten. Wenn Sie waschen, dann kurz, mild und mit anschließend gründlichem Trocknen. Pferde sollten nicht mit nassen Beinen in den Stall oder auf die Koppel gehen.
Fesselbehang pflegen
Regelmäßig kämmen, bei Bedarf moderat zurückschneiden. Weniger Behang bedeutet weniger Feuchtestau und mehr Überblick bei der täglichen Kontrolle.
Fliegenschutz in der warmen Jahreszeit
Kleine Wunden in der Fesselbeuge sind Einfallstore. Fliegenstiefel oder geeignete Repellents verhindern Sekundärinfektionen, wenn bereits Läsionen bestehen.
Prophylaxe bei Risikopferden
Bei Pferden mit Mauke-Historie sind vorbeugende Maßnahmen sinnvoll. Eine dünne, schützende Schicht geeigneter Pflege auf gesunder, trockener Haut vor dem Koppelgang im Nassen kann helfen, wenn sie anschließend wieder entfernt wird. In der nassen Jahreszeit kann die Buckenthal’s Maukeschutzbandage vorbeugend eingesetzt werden. Sie hält die Fesselbeuge trocken und warm, ohne Hitzestau, und erspart ständiges Neuverbinden. Täglich abnehmen und die Haut kontrollieren.
Equipment und Umfeld sauber halten
Gamaschen, Bandagen, Huf- und Sprungglocken nach Nutzung trocknen und reinigen. Putzzeug regelmäßig waschen. Schmutzige Innenflächen wirken wie Schmirgelpapier. Auf der Weide Wasserlachen und Durchgänge entschärfen, damit die Fesselbeugen nicht jeden Tag im selben Matschloch stehen.
Fazit
Mauke beim Pferd verlangt Aufmerksamkeit, aber keine Panik. Wenn Sie früh reagieren, konsequent trocknen, sanft reinigen, passend pflegen und die Ursachen im Alltag abstellen, lässt sich die Haut in den meisten Fällen zuverlässig beruhigen. Eine gute Maukebehandlung ist immer Kombination: Trockenheit, milde Reinigung, kluge Produktauswahl, Schutz vor Schmutz, Auslöser minimieren. Unterstützt die Tierarztpraxis mit Diagnostik und gezielten Maßnahmen, schließen Sie Wissenslücken und vermeiden Rückfälle. So bleibt die Fesselbeuge gesund, das Pferd bewegungsfreudig und Ihr Alltag entspannt.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei großflächigen, schmerzhaften oder wiederkehrenden Hautveränderungen, starker Schwellung, Fieber oder Lahmheit wenden Sie sich bitte zeitnah an Ihre Tierarztpraxis.
